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Was würde ein CEO seinem 16-jährigen Ich Raten?

  • 15. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 28. Feb.

Junger Mann und CEO in einem Büro

Diese Frage habe ich 5 CEOs im Coaching

gestellt und hier sind die Top 5 Antworten!





Fünf Gespräche über Erfolg, Zweifel und Niederlagen.


Es gibt Fragen, die klingen zunächst simpel, und entfalten dann eine erstaunliche Tiefe.


Eine dieser Fragen habe ich fünf CEOs im Rahmen eines CEO Coachings gestellt. Alles Menschen mit Verantwortung für grosse Organisationen, Budgets in Millionenhöhe und Entscheidungen mit echter Tragweite:


„Wenn du deinem 16-jährigen Ich einen Rat geben könntest, welcher wäre das?“


  • Keine Strategietools.

  • Keine KPI-Dashboards.

  • Keine Leadership-Frameworks.


Nur diese eine Frage.


Darauf folgten keine Erfolgsrezepte, sondern Reflexionen über Umwege, Irrtum, Druck, Einsamkeit, Mut, und über Dinge, die in keiner Business-School gelehrt werden.

Dieser Artikel ist keine Sammlung kluger Zitate. Er ist eine Einladung zur Selbstklärung.

Denn die Antworten dieser CEOs sind nicht nur rückblickend relevant. Sie sind hochaktuell, gerade für Menschen, die heute führen.


1. „Du musst nicht so früh wissen, wer du bist.“

„Ich hätte mir gesagt: Hör auf zu glauben, du müsstest mit 16 schon einen genauen Plan haben.“

Seine Jugend war geprägt von Leistungsorientierung, klaren Erwartungen und dem Wunsch, „es richtig zu machen“. Karriereentscheidungen traf er nicht aus innerer Überzeugung, sondern aus dem Bedürfnis nach Sicherheit und Anerkennung.

Das hat gut funktioniert, doch viele Jahre später musste er sich die Frage stellen, die er sich als Jugendlicher nie gestellt hatte:


Will ich das wirklich?


Sein Rat war deshalb kein klassischer Karrieretipp, sondern ein entwicklungspsychologischer:

„Identität entsteht durch Erfahrung.“

Für Führungskräfte liegt darin eine zentrale Erkenntnis. Viele der Menschen, die heute in verantwortungsvollen Positionen stehen, haben sich sehr früh angepasst. Funktional, leistungsfähig, verlässlich, aber nicht unbedingt verbunden mit sich selbst.

Und genau diese fehlende Verbindung zeigt sich später als diffuse Unzufriedenheit, als Übersteuerung, als permanente Suche nach dem nächsten Ziel.


2. „Hab weniger Angst davor, falsch abzubiegen.“

Ein andere CEO sprach über Angst. Nicht die offensichtliche Angst vor dem Scheitern. Sondern die subtilere Angst, die falsche Entscheidung zu treffen.

„Ich habe unglaublich viel Energie darauf verwendet, keine Fehler zu machen. Rückblickend war das der grösste Fehler.“

Sie beschreibt ihre Karriere als „zu glatt“. Kaum Brüche, kaum Experimente, kaum echtes Risiko.

Sie war erfolgreich, doch Entwicklung passiert nicht in der Komfortzone der Korrektheit.

Ihr Rat an ihr jüngeres Ich:

„Trau dich und riskiere einfach mal falsch zu liegen"

Das widerspricht der Logik vieler Organisationen. Dort wird Sicherheit Planbarkeit und Berechenbarkeit belohnt.

Doch authentische Führung entsteht selten aus linearer Perfektion, sondern aus Auseinandersetzungen, Mut und Risiko.


3. „Du bist nicht deine Leistung.“

Dieser Satz fiel in jedem Gespräch, unterschiedlich formuliert.

Eine CEO formulierte es besonders klar:

„Ich hätte meinem 16-jährigen Ich gesagt: Dein Wert hängt nicht davon ab, wie erfolgreich du bist.“

Viele Top-Führungskräfte tragen eine tief verankerte Gleichung in sich:


Leistung = Anerkennung = Existenzberechtigung


Diese Gleichung ist ein enormer Motor, und gleichzeitig eine enorme Belastung.

Sie führt zu:

  • überhöhtem Verantwortungsgefühl

  • Schwierigkeiten beim Delegieren

  • permanenter innerer Anspannung

  • einem Leben im „Nie-genug“


Die CEO hat beschrieben, wie lange es gedauert hat, diese Dynamik zu erkennen.

„Ich dachte immer, ich sei ehrgeizig. In Wahrheit war ich getrieben.“

Das ist ein Unterschied, der im Alltag kaum sichtbar ist, aber für die eigene Lebensqualität entscheidend ist.


4. „Lerne früher, Nein zu sagen.“

Ein weiterer CEO lachte, als er antwortete:

„Ich hätte mir gesagt: Du darfst Grenzen setzen."

Er schilderte die ersten 20 Berufsjahre als eine Phase permanenter Verfügbarkeit. noch mehr leisten, noch mehr Verantwortung übernehmen, und sich beweisen.

Das Ergebnis war nicht nur Karrierewachstum, sondern auch ein schleichender Verlust von Selbstführung.

Viele Führungskräfte kennen dieses Muster. Man wird erfolgreich, weil man Ja sagt. Und irgendwann merkt man, dass man zu allem Ja sagt, ausser zu sich selbst.

Seine wichtigste Erkenntnis:

„Führung bedeutet nicht, alles zu tragen. Führung bedeutet, bewusster Ja zu sagen.“

Grenzen sind kein Zeichen von Schwäche. Sie sind eine Voraussetzung für fokussierte und nachhaltige Leistungsfähigkeit.


5. „Nimm dich selbst nicht so ernst.“

Der vielleicht überraschendste Rat kam von einem CEO eines stark regulierten Unternehmens:

„Ich hätte mir gesagt: Entspann dich, die Welt hängt nicht an dir.“

Er beschreibt, wie sehr er sich selbst unter Druck gesetzt hatte, immer souverän, kompetent und kontrolliert zu wirken.

Diese Selbstinszenierung war anstrengend, und unnötig, wie er im Nachhinein feststellte.

Im Verlauf seiner Karriere stellte er fest, dass Menschen keinem inszenierten Bild und keiner geschliffenen Fassade folgen, sondern einem authentischen Menschen.

Sein Rat an sein jüngeres Ich lautete deshalb:

„Du darfst Fehler machen und daraus lernen!

Gerade im Top-Management ist diese Einsicht radikal, denn dort entsteht leicht die Illusion, man müsse auf alles Antworten haben.


Was alle fünf Antworten verbindet

Die Gespräche waren unterschiedlich. Die Persönlichkeiten ebenfalls.

Und doch zieht sich ein roter Faden durch alle Antworten:


Keiner der CEOs hätte seinem 16-jährigen Ich geraten, schneller Karriere zu machen, und noch mehr zu arbeiten.


Keiner spricht über:


  • strategische Positionierung

  • Gehaltsentwicklung

  • Titel

  • Status


Stattdessen ging es um innere Themen:

  • Selbstvertrauen statt Selbstoptimierung

  • Erfahrung statt Kontrolle

  • Mut statt Absicherung

  • Identität statt Funktion

  • Beziehung statt Rolle


Meine Erfahrung zeigt, dass viele Führungskräfte heute an einen Punkt kommen, an dem die äussere Erfolgsgeschichte nicht mehr automatisch innere Zufriedenheit erzeugt.


Mit 30 stellt man sich die Frage: Wie werde ich erfolgreich?

Mit 50 stellt man sich die Frage: Wofür eigentlich?


Diese zweite Frage lässt sich nicht mit Strategien beantworten, sie braucht eine gute und ehrliche Selbstreflexion.


Vielleicht lautet die eigentliche Frage:


Was weisst du heute, und lebst es noch nicht?


Aus den Gesprächen lassen sich fünf konkrete Reflexionsimpulse ableiten.


1. Wo versuchst du noch immer, Erwartungen zu erfüllen statt eigene Entscheidungen zu treffen?


2. Welche Risiken vermeidest du, obwohl sie Entwicklung ermöglichen würden?


3. In welchen Situationen definierst du deinen Wert über Leistung?


4. Wo fehlt dir eine klare Grenze?


5. Was würde leichter werden, wenn du weniger Kontrolle ausübst?



Warum diese Perspektive gerade jetzt wichtig ist

Organisationen verändern sich schneller denn je. Transformation, Unsicherheit, Komplexität, kultureller Wandel.

Viele CEOs entscheiden sich für ein Coaching, weil sie erfahren, dass in solchen Kontexten fachliche Kompetenz nicht mehr ausreicht. Gefragt ist persönliche Reife und emotionale Intelligenz, und diese entsteht durch Auseinandersetzung mit sich selbst.





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